Arbeitsgruppe Revier erarbeitet Leitbild und beteiligt Bürger.
Mit dem Beschluss des Kohleausstiegs hat sich die Bundesregierung im August 2020 ein Strukturprogramm für die betroffenen Reviere aufgesetzt. Das Strukturstärkungsgesetz fördert mit bis zu 44 Milliarden Euro den Übergang hin zu einer treibhausneutralen sowie nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft. Die Stadt Bitterfeld-Wolfen profitiert von dem Programm und erhält die Chance, bis 2038 Förderung für Investition zu erhalten. Umgesetzt werden können bauliche Projekte von Gebietskörperschaften, die öffentliche, vor allem kommunale Aufgaben erfüllen. Um mit diesen Mitteln gezielt den Wirtschafts- und Lebensstandort Bitterfeld-Wolfen zu verbessern, ist eine Arbeitsgruppe Revier (kurz: AG Revier) initiiert worden. Dieser gehören neben den Ortsbürgermeistern und Fraktionsvorsitzenden auch Vertreter kommunaler Gesellschaften sowie der Stadtverwaltung Bitterfeld-Wolfen an. Um möglichen Projekten einen Rahmen zu geben, haben die Mitglieder der AG Revier in mehreren Arbeitstreffen ein Leitbild mit dem Titel „Wasserstadt Bitterfeld-Wolfen 2050“ im Entwurf erarbeitet. Dieses Leitbild soll die Grundlage bilden für die Beantragung von Vorhaben der Stadt Bitterfeld-Wolfen innerhalb der Laufzeit der Bundesförderung bis zum Jahr 2038. Mit der Veröffentlichung und Bekanntmachung des Leitbildes im Amtsblatt und auf der städtischen Homepage findet zugleich die Beteiligung der Öffentlichkeit statt. Bis zum 18. Juni 2021 sind die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bitterfeld-Wolfen aufgerufen, sich an der weiteren Entwicklung des Leitbildes, aber auch gern mit Projektideen zu beteiligen.
Die Beteiligung kann sowohl postalisch als auch per E-Mail erfolgen. Die Postadresse lautet: Stadtverwaltung Bitterfeld-Wolfen, Amt für Stadtentwicklung und Strukturwandel, Ratshausplatz 1, 06766 Bitterfeld-Wolfen. Die E-Mail-Adresse lautet: AfS@bitterfeld-wolfen.de
Leitbild: Wasserstadt Bitterfeld-Wolfen 2050
Bitterfeld- Wolfen ist eine Stadt, deren Entwicklung immer eng mit Wasser zu tun hatte. Historisch betrachtet liegen die Ortsteile Stadt Bitterfeld, Greppin, Holzweißig, Bobbau und Stadt Wolfen an/teilweise im Einzugsbereich der Mulde und dem dazugehörigen Auebereich und waren in der Vergangenheit durch zahlreiche Bachläufe geprägt, welche zwar zum Teil noch auf den Liegenschaftskarten als Flurstücke vorhanden, jedoch in der Natur nicht mehr zu sehen sind. Aber auch die anderen Orsteile haben „versteckte“ Bach- und Flussläufe. Nicht zuletzt die noch vorhandenen Landschaftsbereiche und die Auewälder zeugen vom Wasserreichtum in dieser Region. Die Ressource „Wasser“ war eines der wesentlichen Elemente, welche maßgeblich zur Entwicklung der Stadt beigetragen hat. Der Mensch musste jedoch auch mit dem „Problem Wasser“ umzugehen lernen. War es zunächst das Leben mit dem Wasser und der Schutz der Siedlungen (z.B. durch Wallanlagen), wurde die Ressource Kernelement der wirtschaftlichen Entwicklung. Als Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Steinzeugindustrie und dem Kohleabbau die Industrialisierung der Region begann, war der Wasservorrat einer der Faktoren, die für den Standort sprachen. Wurde das Wasser in der aufstrebenden Industrie dringend für die Produktionsprozesse benötigt, mussten für die Kohlegewinnung Lösungen für das Verdrängen des Wassers gefunden werden. Dafür begann der Mensch für einen Zeitraum von rund 150 Jahren in den Wasserhaushalt der Region massiv einzugreifen. Der Ausbau des Kohleabbaus bedurfte immer umfangreicherer Maßnahmen zur Grundwasserabsenkung. Aber auch die Umverlegung von Flussläufen wurde für die Kohlegewinnung notwendig. Dies blieb in der Natur nicht ohne Folgen – nur in den Einzugsgebieten von Flussläufen haben Reste der zahlreichen Auewälder überlebt. Andererseits entstanden auf ausgekohlten und verfüllten Flächen Wohngebiete und Stadtteile, deren Bauten bis zum Ende der Wasserhaltung keinerlei Probleme mit dem Grundwasser hatten (z.B. Kraftwerkssiedlung). Hinzu kam, dass aufgrund steigender Bevölkerungszahlen zur Versorgungssicherung Auegebiete der Landwirtschaft zugeführt wurden. Durch zahlreiche Meliorationsgräben, welche in den Auebereichen angelegt wurden, konnte eine Bewirtschaftung sichergestellt werden. Mit der gesellschaftlichen Wende 1990, dem Einstellen des Kohleabbaus, der Beendigung der Grundwasserhaltung 1993 und der Aufgabe unrentabler landwirtschaftlicher Nutzflächen, mussten Lösungen gefunden werden, wie die Stadt mit dem umwelttechnischen Erbe des Kohleabbaus umgehen kann, genauso wie mit dem Grundwasserwiederanstieg und der damit einhergehenden Zunahme der Belastung des Grundwassers durch die Hinterlassenschaften der chemischen Industrie vorangegangener Jahrzehnte. Durch die Renaturierung der Tagebaue zu einer Erholungslandschaft sowie dem Ökologischen Großprojekt zur Grundwassersanierung und dem Stadtsicherungsprojekt Bitterfeld zur Sicherung der baulichen Anlagen im Ortsteil Stadt Bitterfeld wurden Voraussetzungen geschaffen, um der Stadt Bitterfeld-Wolfen die Entwicklung zu einem der führendsten Wirtschaftsstandorte Deutschlands und neuerdings auch zum Tourismusstandort in Sachsen-Anhalt zu ermöglichen. Dies alles zeigt, dass die Menschen in unserer Stadt wissen, wie man mit der Ressource „Wasser“ umzugehen hat. Dies gilt im Übrigen auch für die Naturgewalt „Wasser“. Gerade die immer wiederkehrenden Hochwassersituationen haben in der Vergangenheit trotz der nicht ausbleibenden Schäden gezeigt, dass die Stadtgesellschaft ihrer Herr werden kann. Der dargestellte kurze Abriss der Entwicklung Bitterfeld-Wolfens zeigt, dass das Wasser eine zentrale Rolle in der Stadtentwicklung einnimmt. Daher ist es auch nachvollziehbar, wenn die Erfolge des bisherigen Wandels und der positiven Entwicklung der Stadt mit dem Slogan „Grüne Industriestadt am Goitzsche-See“ bekannt gemacht und beworben werden. Es lässt sich jedoch auch ableiten, dass das Wasser im Rahmen des Strukturwandels noch viel mehr in den Fokus als zentrales Element der Stadtentwicklung gestellt werden kann und muss. Dieser eingeschlagene Weg ist mit definierten Teilbereichen in einem ganzheitlichen Konzept, welches sich an dem Leitbild des Bundes zum Mitteldeutschen Revier, dem Leitbild des Landes Sachsen-Anhalt zum Strukturwandel und dem Strategiepapier des Landkreises Anhalt-Bitterfeld zur Strukturstärkung orientiert, Grundlage für alle Projekte im Rahmen des Strukturstärkungsgesetzes und damit des Erfordernisses der weiteren, finanziellen Unterstützung des strukturellen Wandels in unserer Stadt.
Stadtentwicklungsziel Wasserstadt Bitterfeld-Wolfen 2050
Mit dem Konzept wird das Ziel verfolgt, die Wasserlandschaft in der Stadt noch stärker erlebbar zu machen und damit für die Stadt ein Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln.
Wasser für attraktives Wohnen: Bitterfeld-Wolfen ist die Stadt der Gegensätze – zum einen eine überalterte Bevölkerungsstruktur und Bevölkerungsrückgang, zum anderen ein aufstrebender Wirtschaftsstandort mit modernen Unternehmen und Arbeitsplätzen und zahlreichen Einpendlern. Damit der Strukturwandel gelingt, bedarf es der Sicherung des Standortes, auch und gerade als Mittelzentrum. Ein wichtiger Punkt dabei – Generierung von Bürgerinnen und Bürgern. Dies ist ein wesentlicher Beitrag, um künftigen demografischen Effekten entgegenzuwirken und den Wirtschaftsstandort zu attraktivieren. „Wasser zieht“. Wohnen am Wasser wird immer begehrter. Ob es am Meer, an einem See oder einem Flusslauf ist – Wohngebiete am Wasser sind immer beliebt und nachgefragt. Bitterfeld-Wolfen hat die Möglichkeit dies zu bieten, ob am großen Goitzschesee, an vorhandenen Wasserläufen oder noch zu schaffenden Kanälen. Vorstellbar ist z. B. die Entwicklung eines Wohngebietes in Bitterfeld-Süd an einer Kanalverbindung zwischen dem Strengbach ab der Brücke Leopoldstraße und der Goitzsche in Höhe Blaue Bank.
Wasser als verbindendes Element: Bitterfeld-Wolfen ist reich an Gewässern. Der große Goitzschesee, die Teichanlagen im Orsteil Stadt Bitterfeld, Ortsteil Holzweißig, Ortsteil Greppin, Ortsteil Stadt Wolfen, Ortsteil Reuden, Ortsteil Thalheim, Ortsteil Rödgen (mit Zschepkau), die Leine, der Lober, der Strengbach, dem Schlangengraben und die Fuhne bieten grundsätzliche Möglichkeiten, Wasser zu erleben. Mit dem Ausbau eines Verbundsystems kann das Wasser noch mehr zur Gestaltung des Stadtraumes genutzt werden. Gewässer als verbundene Elemente dienen in erster Linie nicht nur der Förderung des Tourismus und der Naherholung. Es wird dadurch vor allem eine wesentliche Verbesserung des Stadtklimas erreicht, was dazu beiträgt, gut und nachhaltig in der Stadt zu leben. Daher könnte beispielhaft die Verbindung der Gewässer in der Stadt, vom Brödelgraben über die Fuhne, den Schlangengraben der Leine und dem Strengbach untersucht und hergestellt werden. Auch eine Seenverbindung (Goitzschesee mit Seelhausener See – Verbindung zum Leipziger Neuseenland?) ist nicht grundsätzlich auszuschließen.
Wasser als Tourismusmagnet: Die Entwicklung des Tourismusstandortes „Goitzsche“ zeigt die vielfältigen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung am und mit Wasser. Aber auch regionale bzw. örtliche Destinationen werden von den Bürgerinnen und Bürgern sowie Gästen gern angenommen, egal ob es der Anglerteich in Greppin oder der Gondelteich im Naherholungsgebiet Fuhne im OT Stadt Wolfen ist. Daher ist die Verbesserung der touristischen Angebote rund um das Wasser ein weiterer Baustein der Wasserstadt. Neben vielen anderen vorstellbaren Projekten ist z.B. folgendes denkbar: Die Stadt verfügt bereits über ein Wasserzentrum, welches Bildung rund um das Wasser vermittelt und zentraler Veranstaltungsort ist. Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal kann diese Einrichtung in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus werden, wenn im Wasserzentrum auch die Geschichte des Bernsteins, welcher durch den Kohleabbau erst gefunden wurde, erzählt wird.
Wasser als Rohstoff und Wirtschaftsfaktor: Bitterfeld-Wolfen ist einer der führendsten Wirtschaftsstandorte in der Bundesrepublik Deutschland. Die gelungene Transformation nach dem weitestgehenden Niedergang der chemischen Industrie und des Kohlebergbaus hin zu einem Wirtschaftsstandort mit weit mehr als 300 Unternehmen aus den verschiedensten Branchen, welche weltweit agieren, haben den Bedarf an Rohstoffen – zu denen auch Wasser gehört – wieder enorm ansteigen lassen. Daher stehen Fragen des Umgangs mit der begrenzt zur Verfügung stehenden Ressource gerade auch in unserer Region im Mittelpunkt. Wasserthermie ist z.B. eine Form der energetischen Nutzung des Wassers. Daher sollte es doch möglich sein, dass in der Region vorhandene Wasser aus den Seen oder das Grundwasser dafür zu nutzen. Oder kann Bitterfeld-Wolfen Zentrum der Forschung zur Erzeugung und Verwendung von Wasserstoff werden?
Schutz des Menschen vor Wasser: Die Region hat gerade in den letzten knapp 20 Jahren mit den beiden Hochwasserkatastrophen 2002 und 2013 aufgezeigt bekommen, wie wichtig der Schutz vor dem Wasser ist. Viele Projekte des Hochwasserschutzes sind seitdem umgesetzt worden. Dennoch gibt es noch eine Reihe weiterer Maßnahmen, die zur Verbesserung des Schutzes der Bevölkerung, aber auch des Wirtschafts- und Tourismusstandortes notwendig sind. Eines der wichtigsten Vorhaben sei beispielhaft genannt – die Ertüchtigung des Deiches zwischen Seelhausener See und Goitzschesee.
Wasser als Informationsträger und Marketing: Neben der Bedeutung des Wassers für den Alltag in unserer Stadt gibt es auch die Möglichkeit, mit dem Informationsträger „Wasser“ auch auf den Nutzen und die Probleme von Wasser in der Stadt aufmerksam zu machen, aber zugleich auch die Infrastruktur zu verbessern. Hierzu sollten die Unternehmen mit eingebunden werden, welche sich mit dem Thema „Wasser“ beschäftigen. Möglich wäre z.B. ein „Fußgängertunnel im Grundwasser“ – Wiederherstellung Tunnelverbindung Bahnhof Wolfen zum Chemiepark, Areal B und GKW. Das Leitbild „Wasserstadt Bitterfeld-Wolfen 2050“ ist die Strategie der Stadt Bitterfeld-Wolfen, den Strukturwandel in der Region weiter zu forcieren. Es enthält alle wesentlichen Kriterien, um für eine positive Bevölkerungsentwicklung zu sorgen, den Wohnstandort zu attraktivieren, Bildung, Wirtschaft, Forschung und Entwicklung voranzubringen und die Infrastruktur zu verbessern. Alle Projekte, welche zukünftig in die definierten Leitgedanken eingeordnet werden können, tragen zur weiteren nachhaltigen positiven Transformation der Stadt bei und haben die Chance der Förderung und Unterstützung des Bundes und des Landes Sachsen-Anhalt im Rahmen des Strukturstärkungsgesetzes Kohleregionen.
Die Beteiligung kann sowohl postalisch als auch per E-Mail erfolgen. Die Postadresse lautet: Stadtverwaltung Bitterfeld-Wolfen, Amt für Stadtentwicklung und Strukturwandel, Ratshausplatz 1, 06766 Bitterfeld-Wolfen. Die E-Mail-Adresse lautet: AfS@bitterfeld-wolfen.de
Leitbild: Wasserstadt Bitterfeld-Wolfen 2050
Bitterfeld- Wolfen ist eine Stadt, deren Entwicklung immer eng mit Wasser zu tun hatte. Historisch betrachtet liegen die Ortsteile Stadt Bitterfeld, Greppin, Holzweißig, Bobbau und Stadt Wolfen an/teilweise im Einzugsbereich der Mulde und dem dazugehörigen Auebereich und waren in der Vergangenheit durch zahlreiche Bachläufe geprägt, welche zwar zum Teil noch auf den Liegenschaftskarten als Flurstücke vorhanden, jedoch in der Natur nicht mehr zu sehen sind. Aber auch die anderen Orsteile haben „versteckte“ Bach- und Flussläufe. Nicht zuletzt die noch vorhandenen Landschaftsbereiche und die Auewälder zeugen vom Wasserreichtum in dieser Region. Die Ressource „Wasser“ war eines der wesentlichen Elemente, welche maßgeblich zur Entwicklung der Stadt beigetragen hat. Der Mensch musste jedoch auch mit dem „Problem Wasser“ umzugehen lernen. War es zunächst das Leben mit dem Wasser und der Schutz der Siedlungen (z.B. durch Wallanlagen), wurde die Ressource Kernelement der wirtschaftlichen Entwicklung. Als Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Steinzeugindustrie und dem Kohleabbau die Industrialisierung der Region begann, war der Wasservorrat einer der Faktoren, die für den Standort sprachen. Wurde das Wasser in der aufstrebenden Industrie dringend für die Produktionsprozesse benötigt, mussten für die Kohlegewinnung Lösungen für das Verdrängen des Wassers gefunden werden. Dafür begann der Mensch für einen Zeitraum von rund 150 Jahren in den Wasserhaushalt der Region massiv einzugreifen. Der Ausbau des Kohleabbaus bedurfte immer umfangreicherer Maßnahmen zur Grundwasserabsenkung. Aber auch die Umverlegung von Flussläufen wurde für die Kohlegewinnung notwendig. Dies blieb in der Natur nicht ohne Folgen – nur in den Einzugsgebieten von Flussläufen haben Reste der zahlreichen Auewälder überlebt. Andererseits entstanden auf ausgekohlten und verfüllten Flächen Wohngebiete und Stadtteile, deren Bauten bis zum Ende der Wasserhaltung keinerlei Probleme mit dem Grundwasser hatten (z.B. Kraftwerkssiedlung). Hinzu kam, dass aufgrund steigender Bevölkerungszahlen zur Versorgungssicherung Auegebiete der Landwirtschaft zugeführt wurden. Durch zahlreiche Meliorationsgräben, welche in den Auebereichen angelegt wurden, konnte eine Bewirtschaftung sichergestellt werden. Mit der gesellschaftlichen Wende 1990, dem Einstellen des Kohleabbaus, der Beendigung der Grundwasserhaltung 1993 und der Aufgabe unrentabler landwirtschaftlicher Nutzflächen, mussten Lösungen gefunden werden, wie die Stadt mit dem umwelttechnischen Erbe des Kohleabbaus umgehen kann, genauso wie mit dem Grundwasserwiederanstieg und der damit einhergehenden Zunahme der Belastung des Grundwassers durch die Hinterlassenschaften der chemischen Industrie vorangegangener Jahrzehnte. Durch die Renaturierung der Tagebaue zu einer Erholungslandschaft sowie dem Ökologischen Großprojekt zur Grundwassersanierung und dem Stadtsicherungsprojekt Bitterfeld zur Sicherung der baulichen Anlagen im Ortsteil Stadt Bitterfeld wurden Voraussetzungen geschaffen, um der Stadt Bitterfeld-Wolfen die Entwicklung zu einem der führendsten Wirtschaftsstandorte Deutschlands und neuerdings auch zum Tourismusstandort in Sachsen-Anhalt zu ermöglichen. Dies alles zeigt, dass die Menschen in unserer Stadt wissen, wie man mit der Ressource „Wasser“ umzugehen hat. Dies gilt im Übrigen auch für die Naturgewalt „Wasser“. Gerade die immer wiederkehrenden Hochwassersituationen haben in der Vergangenheit trotz der nicht ausbleibenden Schäden gezeigt, dass die Stadtgesellschaft ihrer Herr werden kann. Der dargestellte kurze Abriss der Entwicklung Bitterfeld-Wolfens zeigt, dass das Wasser eine zentrale Rolle in der Stadtentwicklung einnimmt. Daher ist es auch nachvollziehbar, wenn die Erfolge des bisherigen Wandels und der positiven Entwicklung der Stadt mit dem Slogan „Grüne Industriestadt am Goitzsche-See“ bekannt gemacht und beworben werden. Es lässt sich jedoch auch ableiten, dass das Wasser im Rahmen des Strukturwandels noch viel mehr in den Fokus als zentrales Element der Stadtentwicklung gestellt werden kann und muss. Dieser eingeschlagene Weg ist mit definierten Teilbereichen in einem ganzheitlichen Konzept, welches sich an dem Leitbild des Bundes zum Mitteldeutschen Revier, dem Leitbild des Landes Sachsen-Anhalt zum Strukturwandel und dem Strategiepapier des Landkreises Anhalt-Bitterfeld zur Strukturstärkung orientiert, Grundlage für alle Projekte im Rahmen des Strukturstärkungsgesetzes und damit des Erfordernisses der weiteren, finanziellen Unterstützung des strukturellen Wandels in unserer Stadt.
Stadtentwicklungsziel Wasserstadt Bitterfeld-Wolfen 2050
Mit dem Konzept wird das Ziel verfolgt, die Wasserlandschaft in der Stadt noch stärker erlebbar zu machen und damit für die Stadt ein Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln.
Wasser für attraktives Wohnen: Bitterfeld-Wolfen ist die Stadt der Gegensätze – zum einen eine überalterte Bevölkerungsstruktur und Bevölkerungsrückgang, zum anderen ein aufstrebender Wirtschaftsstandort mit modernen Unternehmen und Arbeitsplätzen und zahlreichen Einpendlern. Damit der Strukturwandel gelingt, bedarf es der Sicherung des Standortes, auch und gerade als Mittelzentrum. Ein wichtiger Punkt dabei – Generierung von Bürgerinnen und Bürgern. Dies ist ein wesentlicher Beitrag, um künftigen demografischen Effekten entgegenzuwirken und den Wirtschaftsstandort zu attraktivieren. „Wasser zieht“. Wohnen am Wasser wird immer begehrter. Ob es am Meer, an einem See oder einem Flusslauf ist – Wohngebiete am Wasser sind immer beliebt und nachgefragt. Bitterfeld-Wolfen hat die Möglichkeit dies zu bieten, ob am großen Goitzschesee, an vorhandenen Wasserläufen oder noch zu schaffenden Kanälen. Vorstellbar ist z. B. die Entwicklung eines Wohngebietes in Bitterfeld-Süd an einer Kanalverbindung zwischen dem Strengbach ab der Brücke Leopoldstraße und der Goitzsche in Höhe Blaue Bank.
Wasser als verbindendes Element: Bitterfeld-Wolfen ist reich an Gewässern. Der große Goitzschesee, die Teichanlagen im Orsteil Stadt Bitterfeld, Ortsteil Holzweißig, Ortsteil Greppin, Ortsteil Stadt Wolfen, Ortsteil Reuden, Ortsteil Thalheim, Ortsteil Rödgen (mit Zschepkau), die Leine, der Lober, der Strengbach, dem Schlangengraben und die Fuhne bieten grundsätzliche Möglichkeiten, Wasser zu erleben. Mit dem Ausbau eines Verbundsystems kann das Wasser noch mehr zur Gestaltung des Stadtraumes genutzt werden. Gewässer als verbundene Elemente dienen in erster Linie nicht nur der Förderung des Tourismus und der Naherholung. Es wird dadurch vor allem eine wesentliche Verbesserung des Stadtklimas erreicht, was dazu beiträgt, gut und nachhaltig in der Stadt zu leben. Daher könnte beispielhaft die Verbindung der Gewässer in der Stadt, vom Brödelgraben über die Fuhne, den Schlangengraben der Leine und dem Strengbach untersucht und hergestellt werden. Auch eine Seenverbindung (Goitzschesee mit Seelhausener See – Verbindung zum Leipziger Neuseenland?) ist nicht grundsätzlich auszuschließen.
Wasser als Tourismusmagnet: Die Entwicklung des Tourismusstandortes „Goitzsche“ zeigt die vielfältigen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung am und mit Wasser. Aber auch regionale bzw. örtliche Destinationen werden von den Bürgerinnen und Bürgern sowie Gästen gern angenommen, egal ob es der Anglerteich in Greppin oder der Gondelteich im Naherholungsgebiet Fuhne im OT Stadt Wolfen ist. Daher ist die Verbesserung der touristischen Angebote rund um das Wasser ein weiterer Baustein der Wasserstadt. Neben vielen anderen vorstellbaren Projekten ist z.B. folgendes denkbar: Die Stadt verfügt bereits über ein Wasserzentrum, welches Bildung rund um das Wasser vermittelt und zentraler Veranstaltungsort ist. Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal kann diese Einrichtung in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus werden, wenn im Wasserzentrum auch die Geschichte des Bernsteins, welcher durch den Kohleabbau erst gefunden wurde, erzählt wird.
Wasser als Rohstoff und Wirtschaftsfaktor: Bitterfeld-Wolfen ist einer der führendsten Wirtschaftsstandorte in der Bundesrepublik Deutschland. Die gelungene Transformation nach dem weitestgehenden Niedergang der chemischen Industrie und des Kohlebergbaus hin zu einem Wirtschaftsstandort mit weit mehr als 300 Unternehmen aus den verschiedensten Branchen, welche weltweit agieren, haben den Bedarf an Rohstoffen – zu denen auch Wasser gehört – wieder enorm ansteigen lassen. Daher stehen Fragen des Umgangs mit der begrenzt zur Verfügung stehenden Ressource gerade auch in unserer Region im Mittelpunkt. Wasserthermie ist z.B. eine Form der energetischen Nutzung des Wassers. Daher sollte es doch möglich sein, dass in der Region vorhandene Wasser aus den Seen oder das Grundwasser dafür zu nutzen. Oder kann Bitterfeld-Wolfen Zentrum der Forschung zur Erzeugung und Verwendung von Wasserstoff werden?
Schutz des Menschen vor Wasser: Die Region hat gerade in den letzten knapp 20 Jahren mit den beiden Hochwasserkatastrophen 2002 und 2013 aufgezeigt bekommen, wie wichtig der Schutz vor dem Wasser ist. Viele Projekte des Hochwasserschutzes sind seitdem umgesetzt worden. Dennoch gibt es noch eine Reihe weiterer Maßnahmen, die zur Verbesserung des Schutzes der Bevölkerung, aber auch des Wirtschafts- und Tourismusstandortes notwendig sind. Eines der wichtigsten Vorhaben sei beispielhaft genannt – die Ertüchtigung des Deiches zwischen Seelhausener See und Goitzschesee.
Wasser als Informationsträger und Marketing: Neben der Bedeutung des Wassers für den Alltag in unserer Stadt gibt es auch die Möglichkeit, mit dem Informationsträger „Wasser“ auch auf den Nutzen und die Probleme von Wasser in der Stadt aufmerksam zu machen, aber zugleich auch die Infrastruktur zu verbessern. Hierzu sollten die Unternehmen mit eingebunden werden, welche sich mit dem Thema „Wasser“ beschäftigen. Möglich wäre z.B. ein „Fußgängertunnel im Grundwasser“ – Wiederherstellung Tunnelverbindung Bahnhof Wolfen zum Chemiepark, Areal B und GKW. Das Leitbild „Wasserstadt Bitterfeld-Wolfen 2050“ ist die Strategie der Stadt Bitterfeld-Wolfen, den Strukturwandel in der Region weiter zu forcieren. Es enthält alle wesentlichen Kriterien, um für eine positive Bevölkerungsentwicklung zu sorgen, den Wohnstandort zu attraktivieren, Bildung, Wirtschaft, Forschung und Entwicklung voranzubringen und die Infrastruktur zu verbessern. Alle Projekte, welche zukünftig in die definierten Leitgedanken eingeordnet werden können, tragen zur weiteren nachhaltigen positiven Transformation der Stadt bei und haben die Chance der Förderung und Unterstützung des Bundes und des Landes Sachsen-Anhalt im Rahmen des Strukturstärkungsgesetzes Kohleregionen.