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Festival OSTEN veröffentlicht vielfältiges Kultur-Programm.

Mit großer Vorfreude hat das Team um den Kulturpark e.V. das vielfältige Programm des diesjährigen Festivals OSTEN in einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Vom 1. bis 16. Juni laden Theater, Performances, Filmen, Workshops, Gespräche und vieles mehr ein, Bitterfeld-Wolfen und „den Osten“ als Landschaft der Veränderungen für Mensch, Natur und Zusammenleben zu erforschen und zu feiern. Die alte Feuerwache in Wolfen, das Festivalzentrum, wird sich dafür in eine künstlerische Oase verwandeln. Der Ticket-Vorverkauf startet am 15. April.

Mit einem abwechslungsreichen Kultur-Programm spürt das Festival OSTEN den Transformationserfahrungen in Ostdeutschland, am Beispiel der Stadt Bitterfeld-Wolfen, künstlerisch nach. Die diesjährige Ausgabe steht unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters von Bitterfeld-Wolfen, Armin Schenk. Was die Besucher:innen vom 1. bis 16. Juni erwartet, hat das Veranstaltungsteam in einer Pressekonferenz bekannt gegeben. An mehreren Orten der Industriekultur zeigen Künstler:innen insgesamt 9 Theaterund Musikstücke, 15 Performances und 5 Filme, darunter 16 Premieren. Besondere Formate, wie Ausflüge an interessante Orte der Industriekultur sowie die abendliche Frage des Tages, laden ein, sich darüber hinaus regelmäßig über Erlebtes auszutauschen.

Dramaturg Aljoscha Begrich, der das Festival gemeinsam mit Kulturmanagerin Susanne Beyer leitet, erklärt: „Nach der ermutigenden, ersten Festivalausgabe freuen wir uns, das Zentrum des gegenseitigen Interesses in Wolfen ausbreiten zu können. Hier sind die Umbrüche deutlich sichtbar: Zwischen dem Rathaus mit seiner Vergangenheit, den leeren Wiesen mit ihren Möglichkeiten und der Lithiumfabrik mit ihren Bedarfen lassen sich die Herausforderungen der Gegenwart in ihrer Komplexität und Widersprüchlichkeit erfahren. Darüber hinaus bieten wir vom Tanzen am Beckenrand, einer Puppenparade und Motorradausflügen bis zum großen gemeinsamen Abschlusspicknick gewohnt unterschiedlichste Formate der Begegnung.“

Herzstück des Festivals wird eine Ausstellung national und international beachteter Künstler:innen und junger Kunstschaffenden, die als Parcours zwischen der ehemaligen Feuerwache, den Brachen der ehemaligen Film- und Faserfabrik, dem Industrie- und Filmmuseum sowie dem ehemaligen Kino zum Staunen und eigenständigem Erkunden einlädt. Die alte Feuerwache wird gleichzeitig Festivalzentrum. Hier können sich die Besucher:innen über alle brennenden Fragen austauschen: Was bedeutet Osten? Was ist spezifisch, was international? Was lässt sich aus den Umbrüchen für die Zukunft lernen? Mit angebauter Wasserrutsche und Pool entsteht hier aber auch eine Oase, in der man sich erfrischen und anschließend mit kühlem Kopf weiterreden kann. Mit Anbaden an der Feuerwache und einem gemeinsamen Besuch des Parcours wird das Festival am Samstag, 1. Juni, um 16 Uhr eröffnet.

Ein Schwerpunkt der Ausgabe liegt auf den internationalen Verbindungen der ehemaligen Filmstadt Wolfen, insbesondere nach Rochester in den USA und Schostka in der Ukraine. Die Städte sind durch eine gemeinsame Geschichte industrieller Farbfilmproduktion direkt und indirekt miteinander verbunden. „Die Umbrüche in Wolfen weisen Parallelen zu anderen Orten der Filmproduktion auf”, erklärt Anne Diestelkamp aus dem Kurationsteam. „Wir möchten den Wandel hier im internationalen Vergleich betrachten, gemeinsame Erfahrungen, aber auch radikale Unterschiede herausarbeiten.“ Am Samstag, 1. Juni, dürfen die Besucher:innen etwa auf eine Performance der ukrainischen Künstlerin Maryna Makarenko gespannt sein: Sie setzt sich mit den gesundheitlichen Folgen der Fabrikarbeit in Schostka auf den weiblichen Körper auseinander. Im Anschluss arrangieren die Künstler:innen Oscar Olivo und Amy Trompetter die industrielle Umweltverschmutzung in Rochester zu einem Puppenspiel.

Einen weiteren Schwerpunkt stellt das Verhältnis von Mensch und Natur dar: Bergbau und Chemieindustrie haben die Landschaft um Bitterfeld-Wolfen stark verändert. Aus Braunkohlegruben sind inzwischen Badeseen geworden, wo einst Fabriken standen, wachsen Bäume und Sträucher, die Luft ist sauber – aber die sogenannten Ewigkeitsprobleme bleiben. „Giftige Altlasten gefährden unsere Umwelt für Jahrhunderte“, erklärt Kurator Christian Tschirner. „Wir erforschen künstlerisch, was das für die Menschen in der Region bedeutet und wie verschiedene Generationen damit umgehen.“ So erinnert am Samstag, 8. Juni, etwa eine geführte und kommentierte Fahrradtour auf der historischen Route an eine der ersten Umweltdemonstrationen der DDR: Organisiert vom damaligen Kreisjugendpfarrer fand 1984, vor genau 40 Jahren, ein Protestmarsch von Bitterfeld nach Wolfen statt. Kurz vor Ankunft im Festivalzentrum wird die Fahrradtour Teil der großen Puppen-Parade ALLEE DER TAUSEND DÜFTE, die an die Gerüche der Industrie erinnert und die Rückkehr der Natur feiert.

Der dritte Schwerpunkt stellt die Frage nach der Zukunft: Was kommt eigentlich nach der Industrie? „Bitterfeld-Wolfen war in der Vergangenheit immer auch ein Ort starker Transformation. Das bietet viele Möglichkeiten, über die Zukunft nachzudenken”, erklärt Martin Naundorf aus dem Kurationsteam. „Mithilfe der Kunst möchten wir darüber ins Gespräch kommen, welche Vorstellungen wir gemeinsam entwickeln und wie wir diese gestalten können.“ In Lectures, Spaziergängen und Workshops werfen etwa internationale Künstler:innen der Bauhaus Study Rooms der Stiftung Bauhaus Dessau am letzten Festivalwochenende vom 14. bis 16. Juni einen Blick in die Welt von morgen. Besucher:innen sind zum Beispiel eingeladen, mehr über Lithium als zukünftiger Energielieferant zu erfahren oder Ziegelsteine aus Industriestaub zu pressen.

Im Sinne des „Bitterfelder Wegs“ lädt das Festival wieder zum Mit- und Selbermachen ein. Der Gedanke der Begegnung kommt insbesondere in längerfristig angelegten, partizipativen Projekten mit regionalen und überregionalen Akteur:innen zum Tragen. „Wir möchten verschiedene Menschen, unterschiedliche Generationen mit ihren jeweiligen Eigenarten ins Gespräch bringen“, erklärt Susanne Beyer aus der Festivalleitung. „So zeigen wir beim Festival auch viele Projekte, die etwa in Zusammenarbeit mit Kitas und Schulen, mit migrantischen Jugendlichen, Kunst-Studierenden und vielen weiteren Gruppen entstanden sind.“

Eines dieser Projekte ist die Tanz-Performance HANDARBEIT der Choreografinnen Isabelle Schad, Josephine Findeisen, Claudia Tomasi und der Bildhauerin Nora Mertes, die am Freitag, 7. Juni, im Städtischen Kulturhaus Premiere feiert. In Zusammenarbeit mit dem Frauenzentrum Wolfen und gemeinsam mit Frauen über 40 haben sie an einem Stück gearbeitet, das die eigene Lebensgeschichte in den Mittelpunkt rückt und fragt, wie persönliche Erfahrungen tänzerisch miteinander verwoben werden können.

Die Berliner Theatergruppe DAS HELMI hat sich gemeinsam mit Beschäftigten der Diakonie Bitterfeld-Wolfen-Gräfenhainichen, in Anlehnung an den DDR-Kultfilm DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA, auf die Suche nach dem Glück gemacht. Am Freitag, 14. Juni, bringen sie die Legende ohne Ende unterhaltsam und mit viel Herz in der Feuerwache auf die Bühne. Das Gastspiel ist Teil der Veranstaltungsreihe „DIE KUNST, VIELE ZU BLEIBEN. Bundesweite Foren für Kunst, Freiheit, Demokratie“ des Fonds Darstellende Künste. Sie ist auch mit einem Theater-Truck, einem performativ-aktivierenden Workshop der Künstlerin Tanja Krone, einem Bagger-Ballett des Kollektivs Studio Urbanistan und einem Punk-Pop-Polit-Konzert der Band AbRaum vor Ort.

Mehr als 100 Künstler:innen, mehr als 70 Studierende sowie 30 Kulturinstitutionen beteiligen sich am Festivalprogramm, darunter neben Kitas, Schulen, Jugendclubs und Vereinen aus der Region etwa auch mehrere Kunsthochschulen und Theater, die Köthener Bachfesttage, die Stiftung Bauhaus Dessau, die Akademie der Künste Berlin und die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss.

Das Festivalzentrum an der Feuerwache ist während der Veranstaltungstage (1. und 2. Juni, 7. bis 9. Juni und 14. bis 16. Juni) freitags und samstags von 14 bis 23 Uhr sowie sonntags von 14 bis 21 Uhr geöffnet. Auch unabhängig davon kann eine Vielzahl von Kunstwerken, Audiowalks und Installationen im Stadtraum erkundet werden. So lädt das Format OSTEN PLUS etwa nach Wolfen-Nord ein, wo im Club 84 bereits am Vormittag Filme des Filmemachers Thomas Heise, einem der wichtigsten Chronisten Ostdeutschlands, angeschaut werden können. Es lohnt sich, Zeit mitzubringen.

Das ganze Programm und viele Informationen zum Besuch gibt es auf www.osten-festival.de. Der Ticket-Vorverkauf startet am 15. April online sowie im Städtischen Kulturhaus Bitterfeld-Wolfen (zu den Öffnungszeiten der Theaterkasse) und in der Stadt- und Tourismusinformation der Stadt Bitterfeld-Wolfen. Viele Veranstaltungen können kostenfrei besucht werden.

Das Festival ist eine Initiative des Kulturpark e.V., der Kulturschaffende und Zivilgesellschaft in der Region vernetzen und kulturelle Strukturen aufbauen will, wo die Grunderfahrung seit der Wiedervereinigung vielfach die des Rückbaus und der Schließung von Kultur ist. Der Vereinsvorstand Aljoscha Begrich, Christine Leyerle und Ludwig Haugk, der die erste Ausgabe in 2022 künstlerisch geleitet hat, verantwortet und trägt das Festival auch in 2024 weiter.




















 
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